Auf den Spuren von Stefan Zweig in Brasilien

Stefan Zweig begeisterte mich schon immer. Nicht nur mit seiner Art und Weise des Schreibens, sondern auch dadurch, weil er aus Deutschland nach Brasilien zog, und daraus Kunst geschaffen hat. Heute kann man sein Haus, in dem er damals gewohnt hat, besichtigen. Stefan Zweig ist damals aus Deutschland wegen Hitler geflohen, und suchte in Brasilien eine Rettung. Nachdem er eine Aufenthaltsbewilligung zusammen mit seiner Frau erhalten hatte, fing für ihn ein vollkommen neues Leben an.

Er war dankbar dafür, dass dieses Land seine Türen für ihn und seine Frau geöffnet hatte und gerade aus diesem Grund entschied er sich dazu, ein Buch über Brasilien zu schreiben. Ein Buch, das über einen Ort berichtet, in dem es keine Rassenkonflikte gibt und in dem Menschen miteinander normal leben können. Seine Lebensgeschichte inspirierte mich besonders stark, weil ich mit meinen 29 Jahren gerne verreisen und neue Menschen kennenlernen würde.

Die Geschichte von Stefan Zweig

Als Stefan Zweig mit seiner Frau nach Brasilien kam, lebte er zuerst in Rio de Janeiro. Das Problem war aber, dass es dort zu heiß für sie war. Deshalb suchten sie ein neues Ziel, und entschieden sich dazu, nach Petrópolis zu reisen. Dabei handelte es sich um einen sehr kleinen Ort, der von vielen armen Einwanderern erbaut wurde. Die Stadt befand sich sehr hoch in Bergen des Hinterlands, ca. 70 Kilometer von Rio entfernt. Fast 80 Jahre später leben in diesem Bereich 350.000 Menschen.

Die Stadt wuchs sehr schnell, und breitet sich heutzutage in sehr viele Richtungen über die Hügel aus. Eine Besonderheit ist gerade das Haus von Stefan Zweig. Um dorthin zu gelangen, braucht man ein Taxi. Mit dem Taxi muss man dann durch ziemlich dichten Verkehr fahren, um ins Viertel Valparaiso zu kommen. Früher befand sich dort das Stammcafé von Stefan Zweig, das mittlerweile durch einen Ramschladen ersetzt worden ist. Gegenüber dem ehemaligen Café befindet sich eine lange Treppe, die zum Haus hinauf führt. Das Haus ist nichts Weiteres als ein Bungalow, mit der Adresse Rua Gonçalves Dias 34.

Bedeutung

Obwohl sehr viele Jahre vergangen sind, ist die Fassade immer frisch gestrichen, und man kann an der Straße ein Schild stehen sehen, auf dem »Casa Stefan Zweig« steht. Durch all die Jahre wechselte das Haus seine Besitzer, bis es endgültig in ein Museum umgewandelt worden ist. Stefan Zweig gab Brasilien damals mit seinem Buch eine vollkommen neue Bedeutung, und einen neuen Namen, der weltweit bekannt worden ist. Stefan nannte Brasilien das „Land der Zukunft“.

Man stellt sich vor, wie große die Bedeutung eines deutschen Flüchtlings sein mag, wenn die ganze Welt den von ihm stammenden Namen als Bezeichnung für Brasilien benutzt. Besonders großen Einfluss hatte sein Buch auch auf mich, da ich zurzeit in Berlin wohne und gerne ferne Länder besichtige. Ein Glück nicht aus demselben Grund, aus dem er es damals tat, aber eine Reise ist es unbedingt wert.

Mopeds in Ho Chi Minh City

Mopeds SaigonHo Chi Minh City, das alte Saigon, gilt vielen Leuten als besonders ungesunde und zugleich extrem schnelle und lebendige Stadt. Das liegt freilich vor allem an den Millionen von Mopeds, die dort herumkurven und die den Eindruck einer endlosen Hetze vermitteln. Die Luft ist stickig davon, eine Dunstglocke sondergleichen hängt über der Metropole. Der Regen bringt in den Tropen erfahrungsgemäß nicht so viel Entlastung und so ist jeder Tag dort eine neue Herausforderung. Eine Lösung scheint nicht in Sicht: Seit Jahren, eigentlich seit Jahrzehnten, plant man dort eine U-Bahn, wie sie in allen vergleichbaren Städten dieser Größe Standard ist. Doch der Untergrund ist viel zu weich, bedingt durch das nahegelegene Delta des Riesenstroms Mekong und die in Vietnam verbreitete Korruption tut ihr übriges. Man plant und plant und gibt sich selbstbewußt, doch die Parteischranzen geben am liebsten Geld für die Hauptstadt Hanoi aus, während Saigon jeden Tag den Verkehrsinfarkt erleidet.
Ich selbst habe dort eine Weile gelebt und die Luft und das permanente Hupkonzert gingen mir manchmal tierisch auf die Nerven! Aber dann wurde mir eben klar, dass ich mitten in einem brodelnden Entwicklungsland lebte und dass jedes Moped eine Hoffnung transportiert. Die in Asien scheinbar so wenig vorhandene Individualität – in Ho Chi Minh City ist sie vorhanden und die Leute dort erscheinen mir jedenfalls viel selbstbewußter als anderswo. In Hong Kong zum Beispiel stehen alle schweigend in der Bahn, in Singapur ebenso und die Regierung wacht mit eiserner Knute über die Einhaltung zum Teil absurder Regeln. Da muten die Mopedscharen wie Armeen der Freiheit an! Und das System ist einfach genial gestrickt: In Deutschland gibt es genaue Verkehrsregeln, an die sich alle meistens ziemlich genau halten. In Saigon hingegen gibt es auch Verkehrsregeln, an die sich alle meistens so gut wie gar nicht halten! Und trotzdem sah ich viel weniger Unfälle als in Berlin. Wie das funktioniert? Ich denke wie eine Art Seifenblasensystem: Jeder Mopedfahrer bildet eine individuelle Einheit, die auf jede andere achtet. Ampeln sind zwar nötig, um den Strom zu lenken, doch wer den Fußweg benutzen will oder die Einbahnstraße ignoriert bekommt eben keine Probleme – er muss nur auf die anderen achten und diese auf ihn! Wie sich Seifenblasen in der Regel nicht berühren wollen, so auch die Mopedfahrer von Saigon. Die Stadt wurde eher wild geplant und die Straßen sind schlicht zubetonierte ehemalige Lehmwege. Als westlicher Verkehrsteilnehmer muss man dieses System innerhalb von Sekunden kapieren, sonst kommt man einfach nicht voran! Und es ist auch ganz einfach, da in Saigon wie sonst vielleicht nirgendwo auf Selbstorganisation gesetzt wird – das ist bemerkenswert und wirkte auf mich jedenfalls irgendwie beruhigend. Ich bin mir sicher, dass Veränderungen in Vietnam auch politischer Natur niemals von dem organisierten und traditonellen Norden ausgehen werden, sondern es vielmehr der Süden sein wird, der sich nicht mehr jeden Atemzug vorschreiben lässt. Das Mopedfahren jedenfalls kann dazu eine Art Vorbereitung sein, fordert es doch jeden zum Achtgeben auf und erlaubt gerade deshalb auch einen besonders individuellen Blick auf die Welt.beinahe Saigon